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SCHUBERT/MOZART
KML 1117 |
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THE NEW YORK TIMES Allan Kozinn HMV Choice of the month GRAMOPHONE INDEPENDENT ON SUNDAY MIDWEST RECORD ------- DEUTSCHE ------- KLASSIK.COM Das Schwesternpaar Katia und Marielle Labèque kann auf eine bis dahin glanzvolle Karriere im Konzertleben zurückblicken. Ebenso wohlverdient ist ihr Ansehen, das sie mit exzellenten Einspielungen über mehrere Jahre hinweg erreichten. Nun legen sie im eigenen Label eine CD vor, die vielleicht als Gipfelpunkt ihrer interpretatorischen Bemühungen um bekannteres und nicht so bekanntes Repertoire (ihre letzte Einspielung widmete sich Werken von Strawinsky und Debussy, die nicht zu den Gassenhauern gehören). Vielleicht mag die so unmittelbare, persönliche und sehr bewegende Wirkung dieser hier vorgestellten Interpretationen von Werken Schuberts und Mozarts zu tun haben mit der Widmung dieser Produktion dem Andenken ihres Vaters – wie auch immer: Die Labèque-Schwestern legen damit ein Album vor, das nicht nur musikalisch auf höchstem Niveau angesiedelt ist, sondern gleichzeitig in seiner Werkzusammenstellung ganz neue, unerwartete Perspektiven zu öffnen vermag. Interpretatorisches Rätsel Schuberts ‘Fantasie’ in f-Moll D 940 für Klavier zu vier Händen entwirft entgegen allen Konventionen vierhändiger Klaviermusik als unterhaltende Hausmusik im bürgerlichen Wohnzimmer ein Stimmungspanorama, das ihr einen besonderen Platz in der Gattungsgeschichte sicherte. Ohne Zweifel handelt es sich um ein großartiges Werk, das emotionale Tiefen bis ins Letzte auslotet. Aber was machen Katia und Marielle Labèque so anders, dass sich hier eine Wirkung von ungeheuerer Sogkraft entfalten kann. Es bleibt ein Rätsel. Denn von außen betrachtet scheint an ihrem Zugang zuerst aufzufallen, was sie alles nicht machen: Sie nehmen die f-Moll-Fantasie nicht als Sprungbrett für einen gefühlsdusseligen Trübnisexzess mit extremen Temposchwankungen, viel verschmierendem Pedal und gleichsam didaktischen Herausstellungen besonders wichtiger Passagen, Motive, Harmonien. Nein, hier ergibt sich Expressivität scheinbar ganz von alleine. Ohne Überbetonung, doch mit winzigen interpretatorischen Mitteln entfalten Katia und Marielle Labèque eine Tiefe an Ausdruck, der ansonsten oft unter einer Deckschicht interpretatorischen Wollens begraben wird – und sich damit in sentimentaler Seichtigkeit erschöpft statt jene tiefe Wirkung zeitigen zu können, die sich hier einzustellen vermag. Das fängt schon mit der Phrasierung des Eingangsthemas an, das sich hier auf bezaubernd leichte und flüssige Weise fortzupflanzen scheint, kaum aufgehalten durch Tempodrosselungen. Ohne mit Problemen der Abstimmung kämpfen zu müssen, die anderen Duo-Formationen gerade bei diesem Stück hörenswerte Anstrengungen abverlangen, ergibt sich bei den Labèques ein ganz natürlicher Fluss, in dem große Bögen und lang angelegte Steigerungswellen eine weiträumige Wirkung schaffen. Dabei wahren die beiden Pianistinnen stets eine natürliche Balance, die den kontrapunktischer Verdichtung etwa im ‘Allegro vivace’ bestens bekommt. Nachzittern und Umwertung Das folgende ‘Andantino varié’ in h-Moll D 823 wirkt nach dieser in seiner ungeschönten Wucht unter die Haut gehenden Ausdruckstiefe wie ein flackerndes Nachzittern. Die weitaus ruhigere Stimmungswelt bekommt hier eine im Gegensatz zu dem vorhergehenden übermächtigen Schatten etwas ausgelaugte Note, die das Variationenwerk intim und seiner kompositorischen Höhe angemessen wirken lässt; es muss sich nicht messen mit dem großen Bruder, sondern kann in seiner kleineren Dimension genauso überzeugen. Überraschende Züge dagegen bekommt die Sonate für zwei Klaviere D-Dur KV 448 von Wolfgang Amadeus Mozart, die in solcher Nachbarschaft viel dunkler wirkt als sie eigentlich ist oder zumindest sein könnte. In solcher Zusammenstellung wirkt der auf Schubert folgende Mozart wie von dem Jüngeren mit einem Rückstrahler in ganz neues Licht getaucht. Man nimmt an diesem ebenso meisterlich interpretierten Stück viel mehr die verhangenen Stimmungen wahr. Dass solches möglich ist, verdankt sich zum einen der technischen Meisterschaft der beiden Labèques, ihren interpretatorischen Fähigkeiten und nicht zuletzt ihrem Gespür für sinnfällige Werkzusammenstellungen. – Eine Platte, die sorgsamer nicht disponiert sein könnte, im Musikalisch-Interpretatorischen, im Programm und nicht zuletzt in der technischen Umsetzung, die dem Klavierklang den nötigen Raum bietet, um etwa die Dichte im letzten Abschnitt der f-Moll-Fantasie optimal zur Geltung bringen zu können. Kritik von Tobias Pfleger DIE ZEIT Vierhändige Klaviermusik des 19. Jahrhunderts wirft in der Regel keine großen Schatten: Harmlose Gebrauchsmusik war sie zumeist, gedacht für höhere Töchter und die beschauliche Atmosphäre des biedermeierlichen Salons. Was immer den schönen Schein des bürgerlichen Lebensglücks trüben mochte, die Hausmusik gehörte in der Regel nicht dazu. Franz Schuberts späte, ein halbes Jahr vor seinem Tod vollendete, f-moll-Fantasie für Klavier zu vier Händen wirkt in diesem behaglichen Umfeld wie eine Drohung. Sollte Schubert das Stück für den Salon komponiert haben, dann lauert unter dessen Dielenboden ein Abgrund. Alfred Brendel entdeckte seelische Katastrophen in den drei gleichfalls im Todesjahr 1828 entstandenen Klaviersonaten, er schrieb von der »Panik der Ausweglosigkeit« in der c-moll-Sonate und den »fiebernden Heimsuchungen des Grauens«, die das Andantino der A-Dur-Sonate einschwärzen. Ähnlich ließe sich über die Fantasie reden. Vom ersten Takt an kreist dieses wahnwitzige Stück in einem Meer der Hoffnungslosigkeit, und nach jeder der raren Dur-Aufhellungen versinkt es tiefer darin. Die Widmung an die ehemalige Schülerin Caroline Esterházy, in die Schubert sich Jahre zuvor hoffnungslos verliebt hatte, verrät nichts Gutes. Auch dass die ersten Takte an Barbarinas Cavatine über die verlorene Nadel »L’ho perduta« aus Mozarts Figaro erinnern, ist kaum ein Zufall. Man mag sich noch so vehement dagegen wehren, die biografische Situation eines Künstlers für die Deutung seiner Musik heranzuziehen, aber die f-moll-Fantasie erzählt tatsächlich mit beklemmender Unmittelbarkeit von der Verletzlichkeit und Verletztheit einer Seele. Sie schreit die Einsamkeit und die panische Suche nach menschlicher Nähe geradezu heraus. Die Schwestern Katja und Marielle Labèque tun das ihre dazu, um diesen Eindruck zu verstärken. So offen, brutal und zugleich sensibel in den resignativen Zwischentönen wie auf ihrer jüngsten CD, ist Schuberts Verzweiflung selten ausgestellt worden. Sie machen deutlich, wie das Fugato am Schluss der Fantasie vergeblich versucht, die dämonischen Fratzen zu bannen, die strenge Form sich stattdessen fast manisch zur Raserei entfesselt und schließlich ins Bimmeln des Totenglöckleins treibt. Die Labèques lassen darauf Schuberts Andantino varié folgen, als verloren in sich kreisende Miniatur, die das pathetische Aufbegehren der Fantasie ins Zerbrechliche und Selbstvergessene überführt. Mozarts große D-Dur-Sonate für zwei Klaviere KV 448 wiederumschlicht sich verhalten virtuos in wunderbar trockener Transparenz an: Sie wird zum Satyrspiel nach der nachtschwarzen Schubertschen Tragödie. Die leisen, nachdenklichen Zwischentöne des Mittelsatzes klingen in solcher Stückabfolge wie das ferne Echo des vorangegangenen romantischen Gefühlsdesasters – obwohl sie doch eigentlich ein Vorgriff Mozarts auf Schuberts Empfinden sind. Nur ein Mozart-Finale vermag derart himmlisch davon zu erzählen, dass das Leben zwar hoffnungslos, aber nicht ernst ist. Man braucht so etwas am Ende dieser großartigen, verstörenden CD. Oswald Beaujean
MUSICA - Premio 5 stelle
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| ©KML Recordings 2008 | ||